Jagdsteuerpflicht einer Kommune

An der Jagd­steu­er­pflicht einer Kom­mu­ne bestehen für das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg ernst­li­che Zwei­fel.

Jagdsteuerpflicht einer Kommune

Rechts­grund­la­ge für die Erhe­bung der Jagd­steu­er sind die Sat­zung des Antrags­geg­ners über die Erhe­bung der Bei der Jagd­steu­er han­delt es sich nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung um eine ört­li­che Auf­wand­steu­er im Sin­ne von Art. 105 Abs. 2a GG. Die­sen Begriff der Auf­wand­steu­er erläu­tert das Grund­ge­setz nicht. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt defi­niert Auf­wand­steu­ern als Steu­ern auf die in der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kom­men­de wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit1. Auf­wand­steu­ern sol­len eine über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus­ge­hen­de Ver­wen­dung von Ein­kom­men oder Ver­mö­gen erfas­sen. Aus­schlag­ge­ben­des Merk­mal ist der Kon­sum in Form eines äußer­lich erkenn­ba­ren Zustands, für den finan­zi­el­le Mit­tel ver­wen­det wer­den. Der Auf­wand im Sin­ne von Kon­sum ist typi­scher­wei­se Aus­druck und Indi­ka­tor der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit, ohne dass es dar­auf ankä­me, von wem und mit wel­chen Mit­teln die­ser finan­ziert wird und wel­chen Zwe­cken er des Nähe­ren dient. Im Kon­sum äußert sich in der Regel die Leis­tungs­fä­hig­keit. Ob der Auf­wand im Ein­zel­fall die Leis­tungs­fä­hig­keit über­schrei­tet, ist für die Steu­er­pflicht uner­heb­lich2.

Nach die­ser Defi­ni­ti­on ist es ernst­lich zwei­fel­haft, ob die Antrag­stel­le­rin zur Jagd­steu­er als einer Auf­wand­steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Schon wegen des Merk­mals der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf ver­tre­ten wei­te Tei­le der Recht­spre­chung die Auf­fas­sung, dass Auf­wand­steu­er grund­sätz­lich nur von natür­li­chen Per­so­nen erho­ben wer­den kann3. Die Antrag­stel­le­rin ist aber kei­ne natür­li­che Per­son, son­dern eine Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts.

Eine Aus­nah­me vom Grund­satz der Auf­wand­steu­er­pflicht nur natür­li­cher Per­so­nen wird für Fäl­le der indi­rek­ten Besteue­rung wie die Ver­gnü­gungs­steu­er ange­nom­men. Bei der Ver­gnü­gungs­steu­er wird die Steu­er­schuld des Spie­lers, der einen beson­de­ren Auf­wand für sei­ne per­sön­li­che Lebens­füh­rung betreibt, aus Prak­ti­ka­bi­li­täts­grün­den auf den Ver­an­stal­ter des Ver­gnü­gens abge­wälzt. Steu­er­gut bleibt jedoch der Ver­gnü­gungs­auf­wand des ein­zel­nen Spie­lers als Indiz sei­ner wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit4. Als indi­rek­te Steu­er etwa auf den Auf­wand der Jagd­gäs­te, die bei der Antrag­stel­le­rin eine Jagd­er­laub­nis erwer­ben, ist die Jagd­steu­er des Antrags­geg­ners jedoch nicht kon­zi­piert. Ihr Gegen­stand ist allein die Aus­übung des Jagd­rechts im Sin­ne vom § 1 BJagdG, nicht aber der Auf­wand der Jagd­gäs­te, die mit der Ertei­lung der Erlaub­nis gera­de nicht jagd­aus­übungs­be­rech­tigt wer­den (§ 10 Abs. 5 LJagdG). Daher ist hier uner­heb­lich, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine indi­rek­te Jagd­steu­er­kon­zep­ti­on recht­lich zuläs­sig wäre.

Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die Annah­me einer per­sön­li­chen Lebens­füh­rung, die Ele­ment des Auf­wand­be­griffs im Sin­ne von Art. 105 Abs. 2a GG ist, bei juris­ti­schen Per­so­nen eher fern­lie­gend erscheint. Die Erwä­gung, eine Kom­mu­ne betrei­be in ihren nicht ver­pach­te­ten Eigen­jag­den dann Auf­wand zum Zweck „per­sön­li­cher Lebens­füh­rung“, wenn sie um der Jagd­aus­übung selbst wil­len han­de­le oder um Gäs­ten im Rah­men gesell­schaft­li­cher Reprä­sen­ta­ti­on die kos­ten­freie Jagd­aus­übung bei der Gemein­schafts­jagd zu ermög­li­chen5, berück­sich­tigt nicht, dass die Ver­fas­sung als besteu­er­ba­ren Auf­wand die Ein­kom­mens­ver­wen­dung über den all­ge­mei­nen Lebens­be­darf hin­aus ansieht6. Ein all­ge­mei­ner Lebens­be­darf einer Kom­mu­ne ist aber schwer­lich aus­zu­ma­chen.

Soweit der Antrags­geg­ner dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 10.8.19897 ent­neh­men möch­te, Gebiets­kör­per­schaf­ten sei­en grund­sätz­lich taug­li­ches Sub­jekt für die Jagd­steu­er, ver­mag das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg die­ser Les­art der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung nicht zu fol­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te sich in dem zitier­ten Fall mit der Zuläs­sig­keit einer Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen pri­va­ten Jagd­be­zir­ken und Jagd­be­zir­ken der Gebiets­kör­per­schaf­ten bei der Her­an­zie­hung zur Jagd­steu­er zu befas­sen und hat die­se Dif­fe­ren­zie­rung für ver­fas­sungs­ge­mäß erach­tet, weil Gebiets­kör­per­schaf­ten grund­sätz­lich Steu­er­gläu­bi­ger sei­en und sich damit rechts­er­heb­lich von den übri­gen Steu­er­schuld­nern unter­schie­den. Zur Fra­ge der Mög­lich­keit der Her­an­zie­hung von Gebiets­kör­per­schaf­ten zur Jagd­steu­er hat sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht geäu­ßert. Es hat nur betont, dass Auf­wand­steu­ern an einen beson­de­ren pri­va­ten Auf­wand anknüpf­ten. Dies spricht eher gegen als für eine mög­li­che Steu­er­pflich­tig­keit öffent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten.

Dar­über hin­aus passt auch die ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung für die Belas­tung mit einer Auf­wand­steu­er nicht auf Kom­mu­nen wie die Antrag­stel­le­rin8. Die Auf­wand­steu­er knüpft an die beson­de­re wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit des Kon­su­men­ten an. Eine beson­de­re wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit einer Kom­mu­ne ist aber kei­ne Eigen­schaft, die ihr als juris­ti­scher Per­son des öffent­li­chen Rechts zuge­schrie­ben wer­den kann, son­dern resul­tiert aus der Leis­tungs­fä­hig­keit pri­va­ter Steu­er­pflich­ti­ger, über deren Steu­ern sich die Kom­mu­ne finan­ziert (vgl. Art. 106 Abs. 5, 5a, 6 GG). Die Jagd­steu­er trä­fe damit im Ergeb­nis belie­bi­ge Pri­va­te, die kei­ner­lei Bezug zur Jagd hät­ten.

Nicht über­se­hen wer­den kann aller­dings, dass der baden-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber mit sei­ner Rege­lung in § 10 Abs. 2 Satz 3 KAG, die nicht ver­pach­te­te Eigen­jag­den des Bun­des und der Län­der von der Jagd­steu­er­pflicht aus­nimmt, wohl von der Mög­lich­keit der Besteue­rung von Gebiets­kör­per­schaf­ten aus­geht. An die­ser Rege­lung hat er auch bei der Novel­lie­rung des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes im Jahr 2005 fest­ge­hal­ten, obwohl das Finanz­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg vor­her die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat­te, von Gemein­den kön­ne wegen ihrer Eigen­schaft als juris­ti­sche Per­so­nen kei­ne Jagd­steu­er erho­ben wer­den9. Den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ist jedoch nicht zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber sich über­haupt Gedan­ken über die Mög­lich­keit der Her­an­zie­hung von Gebiets­kör­per­schaf­ten zur Jagd­steu­er gemacht hät­te. In der Geset­zes­be­grün­dung zum KAG ÄndG 2005 heißt es nur lapi­dar: „§ 10 ent­spricht dem bis­he­ri­gen § 7 KAG“10. Letzt­lich kann die gesetz­ge­be­ri­sche Inten­ti­on hier aber offen blei­ben, weil sie jeden­falls die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen für die Erhe­bung der Jagd­steu­er als Auf­wand­steu­er nicht ver­schie­ben kann. Wie sich die­se Gren­zen im ein­zel­nen aus­wir­ken, ins­be­son­de­re ob ihnen durch ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der ein­fach­recht­li­chen Rechts­grund­la­gen für die Erhe­bung der Jagd­steu­er Rech­nung getra­gen wer­den kann, wird im Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu klä­ren sein.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 29. April 2010 — 1 K 10310

  1. grund­le­gend BVerfG, Beschluss vom 06.12.1983 — 2 BvR 127579, BVerfGE 65, 325 (Zweit­woh­nungs­steu­er); Beschluss vom 10.08.1989 — 2 BvR 153288, NVwZ 1989, 1152 (Jagd­steu­er); Beschluss vom 04.02.2009 — 1 BvL 805, BVerfGE 123, 1 (Ver­gnü­gungs­steu­er); Beschlüs­se vom 17.02.2010 — 1 BvR 52909 und 1 BvR 266409 (Zweit­woh­nungs­steu­er) []
  2. BVerfG, a.a.O. []
  3. OVG NRW, Beschlüs­se vom 23.05.2007 — 14 A 363105; und vom 06.05.1997 — 22 A 87797 (Jagd­steu­er); BVerwG, Urteil vom 27.09.2000 — 11 C 400, NVwZ 2001, 439 (Zweit­woh­nungs­steu­er); VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 09.12.1987 — 2 S 233586 (Zweit­woh­nungs­steu­er); Nds. OVG, Urteil vom 20.02.2002 — 13 L 230699, NVwZ-RR 2002, 888 (Hun­de­steu­er); OVG NRW, Urteil vom 23.01.1997 — 22 A 245596, NVwZ 1999, 318 (Hun­de­steu­er); eben­so Gössl/Reif, KAG für Baden-Würt­tem­berg, Kom­men­tar, Stand: Sep­tem­ber 2009, § 9 Erl. 4.2 und § 10 Erl. 2.4, 1. Absatz; anders aller­dings ohne wei­te­re Begrün­dung für Gebiets­kör­per­schaf­ten § 10 Erl. 2.4, 2. Absatz []
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.09.2000, a.a.O. []
  5. so Nds. OVG, Urteil vom 15.02.2008 — 9 LB 907 []
  6. BVerfG, a.a.O. []
  7. a.a.O. []
  8. vgl. dazu auch OVG NRW, Urteil vom 04.05.1981 — 3 A 2979, KStZ 1981, 210 []
  9. zit. nach Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Kom­men­tar, Stand: Juli 2009, Teil III, § 3, Rn. 137 mit Hin­weis auf GT-Info 20.07.1996 []
  10. Land­tags­drucks. 133966, S. 45 []