Anerkennung eines Nachsuchengespannes — Eignung als Fährtenhund

Die Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen kann nur durch eine bestan­de­ne Prü­fung nach Maß­ga­be der Rege­lun­gen des JGHV nach­ge­wie­sen wer­den.

Anerkennung eines Nachsuchengespannes — Eignung als Fährtenhund

In dem hier vom Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Hun­de­hal­ter die Aner­ken­nung sei­nes Hun­des als sog. Brauch­bar­keits­hund und als Fähr­ten­hund im Rah­men eines sog. Nach­su­chen­ge­span­nes.

Er ist Eigen­tü­mer eines Han­no­ver­schen Schweiß­hun­des mit Zucht­buch­num­mer (Hund „mit regis­trier­ten Papie­ren”). Der Hund ist nicht im Zucht­buch eines vom Jagd­ge­brauchs­hun­de­ver­band e.V. (JGHV) aner­kann­ten Zucht­ver­eins für Jagd­ge­brauchs­hun­de­ras­sen, dem Ver­ein … e.V. für die Ras­se des Han­no­ver­schen Schweiß­hun­des als Zucht­ver­ein für Hun­de „mit Papie­ren”, ein­ge­tra­gen, son­dern im Zucht­buch des Schweiß­hun­de­ver­ein Deutsch­land e.V. (SHVD e.V.), einem Zucht­ver­ein für Schweiß­hun­de, in dem alle Schweiß­hun­de eine Hei­mat fin­den, die nicht von den dem JGHV zuge­hö­ri­gen Zucht­ver­ei­nen auf­ge­nom­men wer­den. Bei dem SHVD e.V. han­delt es sich somit um einen nicht vom JGHV aner­kann­ten Ver­ein, der im JGHV nach der Ver­bands­sat­zung auch nicht Mit­glied wer­den kann.

Am 03.09.2012 bean­trag­te der Hun­de­hal­ter die Aner­ken­nung mit die­sem Hund als Nach­su­chen­ge­spann i.S.d. § 23 Abs. 3 des Geset­zes zur Neu­fas­sung des Jagd­ge­set­zes des Lan­des Schles­wig-Hol­stein (Lan­des­jagd­ge­setz — LJagdG) vom 13.10.19991. Zusam­men mit dem Antrag leg­te der Hun­de­hal­ter u.a. eine Urkun­de des SHVD e.V. vor, wonach der von ihm geführ­te Hund „…” eine von die­sem Ver­ein durch­ge­führ­te „Vor­prü­fung” am 04.09.2010 bestan­den habe. Zur Begrün­dung sei­nes Antra­ges führ­te der Hun­de­hal­ter aus, mit erfolg­rei­cher Able­gung der Prü­fung habe er nach­ge­wie­sen, dass sein Hund alle an einen Fähr­ten­hund (Nach­su­chen­hund) zu stel­len­den Anfor­de­run­gen erfül­le. Zudem sei sein Hund ein bereits durch den Lan­des­jagd­ver­band Meck­len­burg-Vor­pom­mern nach den dor­ti­gen lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten bestä­tig­ter Nach­su­chen­hund und habe schon vie­le schwe­re Nach­su­chen auf Scha­len­wild erfolg­reich durch­ge­führt. Fer­ner sei er zusam­men mit sei­nem Hund … vom Kreis Her­zog­tum-Lau­en­burg als Nach­su­chen­ge­spann aner­kannt wor­den.

Der Beklag­te lehn­te den Antrag ab. Begrün­det wur­de die Ableh­nung im Wesent­li­chen mit der Erwä­gung, dass die Vor­aus­set­zun­gen zur Aner­ken­nung von Fähr­ten­hun­den, d.h. von Hun­den, die Bestand­teil eines sog. Nach­su­chen­ge­spanns sind, nicht erfüllt sei­en. Ins­be­son­de­re sehe die maß­geb­li­che Rechts­grund­la­ge für die Aner­ken­nung, § 2 Abs. 2 S. 1 des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges zur Über­tra­gung von Auf­ga­ben des Jagd­we­sens auf die Lan­des­jä­ger­schaft Schles­wig-Hol­stein (Aner­ken­nung von Nach­su­chen­ge­span­nen), im fol­gen­den „Nach­su­chen­ge­spann-Ver­trag” genannt, zwi­schen dem Minis­te­ri­um für Umwelt, Natur und Fors­ten des Lan­des Schles­wig-Hol­stein als obers­te Jagd­be­hör­de und dem Lan­des­jagd­ver­band Schles­wig-Hol­stein e. V. als Lan­des­jä­ger­schaft2, vor, dass eine „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” nach­zu­wei­sen sei. Die­ser Begriff wer­de in stän­di­ger Rechts­pra­xis so aus­ge­legt, dass die Vor­prü­fung erfolg­reich nur von durch den JGHV aus­ge­bil­de­te und kon­trol­lier­te Rich­ter der Mit­glieds­ver­ei­ne des JGHV abge­nom­men wer­den dür­fe. In Bezug auf die hier in Fra­ge ste­hen­de Hun­de­ras­se des Han­no­ver­schen Schweiß­hun­des oblie­ge die Prü­fungs­ab­nah­me dem Ver­ein … e.V. als dem für die Han­no­ver­schen Schweiß­hun­de im JGHV als Mit­glied ver­tre­te­nen Schweiß­hun­de­ver­ein. Die erfolg­reich bei dem SHVD e.V. abge­leg­te Prü­fung durch ver­eins­ei­ge­ne Rich­ter des SHVD e.V., die nicht dem JGHV unter­ste­hen, kön­ne nicht als „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” aner­kannt wer­den.

Nur so könn­ten ein ein­heit­li­ches Prü­fungs­we­sen bzw. die Gleich­wer­tig­keit der Prü­fungs­er­geb­nis­se gewähr­leis­tet wer­den. Man­gels Mit­glied­schaft des SHVD e.V. im JGHV bzw. man­gels Durch­füh­rung der Prü­fung durch JGHV-Rich­ter sei die durch­ge­führ­te Prü­fung mit der im öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag vor­ge­se­he­nen „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” nicht gleich­wer­tig. Des­wei­te­ren feh­le es an der Vor­la­ge eines ent­spre­chen­den Lau­te­nach­wei­ses des Hun­des.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt beur­teil­te die nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge als teil­wei­se unzu­läs­sig und im Übri­gen unbe­grün­det:

Der Ver­pflich­tungs­an­trag auf Fest­stel­lung der jagd­li­chen Brauch­bar­keit ist unzu­läs­sig. Es fehlt in die­sem Zusam­men­hang an der Durch­füh­rung eines gem. § 68 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 VwGO für die Erhe­bung einer Ver­pflich­tungs­kla­ge not­wen­di­gen Vor­ver­fah­rens.

Der Hun­de­hal­ter hat schon kei­nen ent­spre­chen­den Antrag auf Aner­ken­nung der jagd­li­chen Brauch­bar­keit sei­nes Hun­des bei dem Beklag­ten gestellt, son­dern die­sen Antrag erst­ma­lig vor Gericht ange­bracht. Der Antrag vom 03.09.2012 betraf allein die Aner­ken­nung als Nach­su­chen­ge­spann i.S.d. § 23 Abs. 3 LJagdG. Dem­entspre­chend ent­hält der ableh­nen­de Bescheid des Beklag­ten vom 11.09.2012 in Gestalt des Wider­spruchs­be­schei­des vom 14.01.2013 kei­ne Ent­schei­dung hin­sicht­lich des Vor­lie­gens der all­ge­mei­nen Brauch­bar­keit, son­dern betont im Gegen­teil die fort­be­stehen­de Mög­lich­keit des Hun­de­hal­ters, eine sol­che Aner­ken­nung anzu­stre­ben. Erst im Kla­ge­ver­fah­ren und nach­dem der Beklag­te in sei­nem Wider­spruchs­be­scheid vom 14.01.2013 dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass zwi­schen die­sen bei­den Aspek­ten ein Unter­schied bestehe und dass es dem Hun­de­hal­ter nicht ver­wehrt sei, mit sei­nem Hund an einer Brauch­bar­keits­prü­fung in Schles­wig-Hol­stein teil­zu­neh­men, hat der Hun­de­hal­ter sei­nen Antrag um die­sen Gesichts­punkt erwei­tert.

Ein eigen­stän­di­ges Aus­gangs- und Vor­ver­fah­ren war in die­ser Sache auch nicht ent­behr­lich. Es han­delt sich hier­bei nicht um eine unselbst­stän­di­ge (Vor-)Frage, die der Beklag­te bei sei­ner Ableh­nung des klä­ge­ri­schen Antrags auf Aner­ken­nung als Nach­su­chen-gespann zwin­gend und abschlie­ßend zu beant­wor­ten hat­te. Zwar ist der Beklag­te auch zur Aner­ken­nung von brauch­ba­ren Jagd­hun­den gem. § 27 S. 4 LJagdG zustän­dig. Über­dies ist auch anzu­er­ken­nen, dass jeder aner­kann­te Fähr­ten­hund zwin­gend ein für die Nach­su­che brauch­ba­rer Jagd­hund sein muss3. Dar­aus ergibt sich, dass in jeder Aner­ken­nung als Fähr­ten­hund zwin­gend eine posi­ti­ve Ent­schei­dung zur jagd­li­chen Brauch­bar­keit für die Nach­su­che lie­gen muss. Aller­dings muss ein Fähr­ten­hund als Bestand­teil eines Nach­su­chen­ge­spanns gem. § 2 Abs. 1 und 2 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges über die all­ge­mei­ne Brauch­bar­keit hin­aus­ge­hen­de Vor­aus­set­zun­gen erfül­len. Er muss näm­lich für die erschwer­te Arbeit auf Schweiß beson­ders geeig­net sein und dies durch eine ent­spre­chen­de Prü­fung nach­ge­wie­sen haben. Ange­sichts die­ser zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen beinhal­tet nicht jede abschlä­gi­ge Ent­schei­dung zur Aner­ken­nung als Fähr­ten­hund gleich­zei­tig eine nega­ti­ve Ein­schät­zung hin­sicht­lich der „ein­fa­chen” Brauch­bar­keit, son­dern kann – wie vor­lie­gend gesche­hen – die­se Fra­ge offen las­sen.

Des­wei­te­ren fehlt es nach wie vor an dem erfor­der­li­chen Lau­te­nach­weis.

Der Ver­pflich­tungs­an­trag auf Aner­ken­nung des Hun­de­hal­ters als Nach­su­chen­füh­rer und des klä­ge­ri­schen Hund als Fähr­ten­hund ist zuläs­sig.

Die Erhe­bung der Ver­pflich­tungs­kla­ge am 18.02.2013 erfolg­te frist­ge­mäß gem. § 74 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 VwGO. Nach die­ser Vor­schrift muss die Kla­ge inner­halb eines Monats nach der Zustel­lung des Wider­spruchs­be­scheids erho­ben wer­den. Die Kla­ge­frist begann gem. § 57 Abs. 2 VwGO i.V.m. § 222 Abs. 1 ZPO, § 187 Abs. 1 BGB nach der Zustel­lung des Wider­spruchs­be­schei­des am 17.01.2013 mit dem 18.01.2013 zu lau­fen und ende­te gem. § 57 Abs. 2 VwGO i.V.m. § 222 Abs. 1 ZPO, § 188 Abs. 2 BGB mit Ablauf des 17.02.2013. Da die­ser Tag ein Sonn­tag war, ver­schob sich das Fris­ten­de gem. § 57 Abs. 2 VwGO i.V.m. § 222 Abs. 2 ZPO auf den nach­fol­gen­den Mon­tag. Die Erhe­bung der Kla­ge mit­tels Tele­fax genüg­te dem Schrift­form­erfor­der­nis des § 81 Abs. 1 S. 1 VwGO4 und konn­te die­se Frist wah­ren.

Die Kla­ge ist aber unbe­grün­det. Der Bescheid vom 11.09.2012 in Gestalt des Wider­spruchs­be­schei­des vom 14.01.2013 ist recht­mä­ßig.

Die Ent­schei­dung über die Aner­ken­nung erfolg­te auf der Grund­la­ge des öffent­lich-recht­li­chen Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges. Dar­in ist die Auf­ga­be der Aner­ken­nung dem Beklag­ten durch die obers­te Jagd­be­hör­de, das (dama­li­ge) Minis­te­ri­um für Umwelt, Natur und Fors­ten des Lan­des Schles­wig-Hol­stein, über­tra­gen wor­den. Eine sol­che Über­tra­gung durf­te im Wege des öffent­lich-recht­li­chen Ver­trags i.S.d. § 121 S. 1 LVwG erfol­gen, da § 36 Abs. 3 LJagdG dies aus­drück­lich vor­sieht.

Der Beklag­te hat die Ent­schei­dung über die Aner­ken­nung for­mell feh­ler­frei getrof­fen. Er ist als Lan­des­jä­ger­schaft gem. § 1 Abs. 1 S. 1 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­trags zustän­dig. Durch die­se Auf­ga­ben­über­tra­gung wird eine Spe­zi­al­zu­stän­dig­keit des Beklag­ten begrün­det, die letzt­lich eine dane­ben vor­ge­nom­me­ne Aner­ken­nung durch eine unte­re Jagd­be­hör­de i.S.d. § 31 Abs. 2 LJagdG, d. h. durch die Land­rä­te bzw. die Bür­ger­meis­ter der kreis­frei­en Städ­te, aus­schließt. Inso­weit kann eine vom Hun­de­hal­ter behaup­te­te „Aner­ken­nung” sei­tens des Her­zog­tums Lau­en­burg kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten, sodass der Behaup­tung des Hun­de­hal­ters, er sei mit dem Hund … im Kreis Her­zog­tum Lau­en­burg als Nach­su­chen­ge­spann aner­kannt, nicht wei­ter nach­zu­ge­hen war.

Die Annah­me des Beklag­ten, der Hun­de­hal­ter erfül­le nicht die für eine Aner­ken­nung erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, hält der recht­li­chen Nach­prü­fung stand.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung eines sol­chen Gespanns fin­den sich in § 2 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges.

In per­so­nel­ler Hin­sicht muss der Gespann­füh­rer gem. § 2 Abs. 1 S. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 S. 1 und 2 Nach­su­chen­ge­spann-Ver­trag einen sog. Fähr­ten­hund erfolg­reich geführt und sich ent­spre­chend fort­ge­bil­det haben. Er muss im Besitz eines gül­ti­gen Jagd­schei­nes sein und die Gewähr dafür bie­ten, in der Regel bei Anfor­de­run­gen zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Auf die Ver­bands­zu­ge­hö­rig­keit des Hun­de­füh­rers kommt es nicht an. Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt der Hun­de­hal­ter voll­um­fäng­lich und deren Vor­lie­gen ist auch unstrei­tig.

Im Hin­blick auf den Hund schreibt § 2 Abs. 1 des Nach­su­che­ge­spann-Ver­tra­ges vor, dass der Hund einer „Jagd­ge­brauchs­hun­de­ras­se” ange­hö­ren muss und „für die erschwer­te Arbeit auf Schweiß beson­ders geeig­net” sein muss. § 2 Abs. 2 des Ver­tra­ges kon­kre­ti­siert den Nach­weis der beson­de­ren Eig­nung ledig­lich dahin­ge­hend, dass eine „bestan­de­ne Ver­bands­schweiß­prü­fung” oder die „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” sowie „min­des­tens fünf erfolg­rei­che erschwer­te Nach­su­chen” nach­zu­wei­sen sind.

Unstrei­tig han­delt es sich bei dem klä­ge­ri­schen Hund um einen sol­chen der Jagd­ge­brauchs­hun­de­ras­se „Han­no­ver­scher Schweiß­hund” aus dem SHVD e.V., einem Zucht­ver­ein, der nicht dem JGHV ange­schlos­sen ist, also um einen „Hund mit regis­trier­ten Papie­ren”.

Die Betei­lig­ten strei­ten letzt­lich dar­um, ob als Nach­weis für die beson­de­re Eig­nung des Hun­des für die Arbeit auf Schweiß aus­schließ­lich eine bestan­de­ne Prü­fung nach der Maß­ga­be der Rege­lun­gen und unter Betei­li­gung von Rich­tern des JGHV in Betracht kommt. Letz­te­res hät­te zur Fol­ge, dass der vor­ge­leg­te Nach­weis nach Prü­fung durch den SHVD e.V. – der dem JGHV nicht ange­hört – nicht in aus­rei­chen­dem Maß die beson­de­re Eig­nung des Hun­des für die Arbeit auf Schweiß erbrin­gen wür­de, da die durch­ge­führ­te Prü­fung auf einer ver­eins­in­ter­nen Prü­fungs­ord­nung beruht und ohne Betei­li­gung von JGHV-Rich­tern durch­ge­führt wur­de. Dar­über hin­aus hät­te dies zur Fol­ge, dass der Hun­de­hal­ter mit sei­nem Hund … auch in Zukunft nicht an einer Prü­fung des JGHV teil­neh­men könn­te, weil zu der „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” nur sol­che Jagd­hun­de zuge­las­sen wer­den, die im Zucht­buch eines vom JHGV aner­kann­ten Zuchtvereins/Verbandes (hier: im Ver­ein … als Zucht­ver­ein für den Han­no­ver­schen Schweiß­hund) ein­ge­tra­gen sind, also „Hun­de mit Papie­ren”.

Das Gericht ist im Ein­klang mit dem Beklag­ten und dem Bei­gela­de­nen der Auf­fas­sung, dass der Begriff „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung nach § 129 LVwG i.V.m. § 157 BGB dahin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass der Nach­weis für die beson­de­re Eig­nung für die Arbeit auf Schweiß nach § 2 Abs. 2 Nach­su­che­ge­spann-Ver­tra­ges nur durch eine bestan­de­ne Prü­fung nach der Maß­ga­be der Rege­lun­gen und unter Betei­li­gung von Rich­tern des JGHV in Betracht kommt.

Dies folgt dar­aus, dass es bei der strei­ti­gen Prü­fung um eine Leis­tungs­aus­le­se geht, der eine bestimm­te Zucht­aus­le­se vor­aus­geht, die nur bei Ein­hal­tung ein­heit­li­cher Stan­dards gewähr­leis­tet wer­den kann. Andern­falls besteht auf lan­ge Sicht die Gefahr von Zucht­ein­bu­ßen, da Fähr­ten­hun­de (Nach­su­chen­ge­spann­hun­de) anders als Brauch­bar­keits­hun­de neben Gehor­sam, Schuss­fes­tig­keit und Schweiß­ar­beit zusätz­lich ein beson­de­res Durch­hal­te­ver­mö­gen und damit beson­de­re Schweiß­ar­beits­leis­tun­gen erbrin­gen müs­sen und da nur durch die dem JGHV ange­schlos­se­nen Schweiß­hun­de­ver­ei­ne auf­grund der Über­wa­chung durch den­sel­ben dau­er­haft gewähr­leis­tet ist, dass nur die am bes­ten geeig­ne­ten Hun­de die beson­ders schwe­ren Nach­su­chen durch­füh­ren und da auf lan­ge Sicht nur so ein waid­ge­rech­tes Jagen sicher­ge­stellt ist und die Zie­le des ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Tier­schutz nach Art.20 a GG beach­tet wer­den. Inso­weit hat der Bei­gela­de­ne nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass nur der Ver­ein … die Gewähr dafür bie­te, dass Cha­rak­ter, Leis­tungs- und Wesens­merk­ma­le bei bestimm­ten Zucht­schlä­gen nicht ver­lo­ren­ge­hen, was bei ande­ren, nicht vom JGHV aner­kann­ten und stän­dig über­prüf­ten Ver­ei­nen, in die­ser Kon­se­quenz nicht der Fall ist.

Dass durch die­ses Ver­fah­ren mög­li­cher­wei­se Hun­de — wie der Jagd­hund des Hun­de­hal­ters — als Fähr­ten­hun­de aus­ge­schlos­sen sind, die auch ohne JGHV-Zuge­hö­rig­keit und damit ohne die Mög­lich­keit der Teil­nah­me an einer JGHV-Prü­fung anspruchs­vol­le Leis­tun­gen im Bereich der Nach­su­chen­ar­beit erbrin­gen könn­ten, lässt sich nicht völ­lig aus­schlie­ßen und ist in Abwä­gung mit dem öffent­li­chen Belang der Siche­rung der Zucht­aus­le­se hin­zu­neh­men.

Die­se Aus­le­gung des Begrif­fes „Vor­prü­fung bei den Schweiß­hun­de­ras­sen” in § 2 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges hat nicht die Nich­tig­keit die­ser ver­trag­li­chen Rege­lung gemäß § 126 Abs. 1 LVwG i.V.m. § 134 BGB wegen eines qua­li­fi­zier­ten Ver­sto­ßes gegen ein Ver­bots­ge­setz zur Fol­ge.

Als Ver­bots­ge­setz i.S.d. § 134 BGB kom­men ins­be­son­de­re Nor­men des Grund­ge­set­zes in Betracht5.

Die vom Gericht in Über­ein­stim­mung mit dem Beklag­ten und dem Bei­gela­de­nen vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des § 2 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges ver­stößt weder gegen Art. 14 GG iVm § 90 a BGB, noch gegen Art. 2 Abs. 1 GG, da kei­ne unver­hält­nis­mä­ßi­ge Ein­schrän­kung und zwar weder in das Eigen­tum, noch in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit vor­liegt.

Zur Wah­rung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges muss die Ein­griffs­norm ins­be­son­de­re den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wah­ren6. Die Beschrän­kung muss also einem legi­ti­men Zweck die­nen, geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen sein7.

Die for­ma­li­sier­te Aner­ken­nungs­pflicht bzw. der hier­durch nur beschränkt mög­li­che Ein­satz von Jagd­ge­brauchs­hun­den ver­folgt eine legi­ti­me Ziel­set­zung, die sich bereits aus den Grund­sät­zen der Waid­ge­rech­tig­keit i.S.d. § 1 Abs. 3 BJagdG ergibt8. Die Pflicht zum Nach­weis der beson­de­ren Eig­nung zur Arbeit auf Schweiß zielt dar­auf ab, nur die Hun­de zur Nach­su­che ein­zu­set­zen, die einen beson­de­ren Durch­hal­te­wil­len zur Auf­fin­dung eines ver­letz­ten Tie­res inne­ha­ben. Damit soll gewähr­leis­tet wer­den, dass ein im Rah­men der Jagd ver­letz­tes Tier mög­lichst schnell gefun­den und ggf. von sei­nen Qua­len erlöst wer­den kann. Dies gilt ins­be­son­de­re in den Fäl­len, in denen wie in § 23 Abs. 3 LJagdG vor­ge­se­hen, der jewei­li­ge Revier­jagd­be­rech­tig­te nicht über den Nach­su­chen­fall infor­miert wer­den muss. Wür­de in einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on ein nicht hin­rei­chend fähi­ger Hund ein­ge­setzt, blie­be das Auf­fin­den des ver­letz­ten und lei­den­den Tie­res im Wesent­li­chen dem Zufall über­las­sen. Dabei geht es nicht um Gesichts­punk­te des Kon­kur­ren­ten­schut­zes und die Fra­ge der Ein­räu­mung einer Mono­pol­stel­lung, son­dern um den Erhalt eines stan­da­ri­sier­ten Aus­wahl­ver­fah­rens zum Zwe­cke der siche­ren und effi­zi­en­ten Nach­su­che, die nur durch kon­se­quen­te Siche­rung der Zucht die­ser Schweiß­hun­de­ras­se erreicht wer­den kann.

Die ver­trag­li­che Rege­lung in der oben beschrie­be­nen Aus­le­gung ist auch geeig­net, die zuläs­si­ger­wei­se ange­streb­te opti­ma­le Sicher­stel­lung der Tier­schutz­as­pek­te zu gewähr­leis­ten.

Ins­be­son­de­re ist die­se Aus­le­gung im Sin­ne eines aus­schließ­lich an for­mel­len Kri­te­ri­en anknüp­fen­den Aner­ken­nungs­ver­fah­rens ein erfor­der­li­ches Mit­tel. Erfor­der­lich ist eine Maß­nah­me dann, wenn sie von allen gleich geeig­ne­ten Mit­teln die am gerings­ten ein­schnei­den­den Fol­gen her­vor­ruft9. Vor­lie­gend ist aber schon frag­lich, ob die Prü­fung durch den SHVD e.V. glei­cher­ma­ßen geeig­net ist, die beson­de­re Eig­nung für die erschwer­te Arbeit auf Schweiß nach­zu­wei­sen, da der SHVD e.V. nicht in die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des Deut­schen Hun­de­we­sens ein­ge­bun­den und nicht dem JGHV ange­glie­dert ist. Daher ver­mag ein Abstel­len dar­auf, was ein Hund im Ein­zel­nen zu leis­ten imstan­de ist, der Ein­hal­tung der oben beschrie­be­nen öffent­li­chen Belan­ge nicht eben­so gut Rech­nung zu tra­gen. Nur eine Eig­nungs­prü­fung auf­grund for­ma­li­sier­ter ein­heit­li­cher Stan­dards wirkt der Gefahr von Qua­li­täts­ein­bu­ßen bei den Fähr­ten­hun­den ent­ge­gen und berück­sich­tigt hin­rei­chend die Bes­ten­aus­le­se für die waid­ge­rech­te Nach­su­chen­ge­spann­ar­beit.

Denn es geht hier — anders als bei den Brauch­bar­keits­hun­den — nicht nur um die Erfül­lung der Kri­te­ri­en der Leis­tungs­aus­le­se, son­dern auch um die Erfül­lung der Kri­te­ri­en für die am bes­ten gesi­cher­te Zucht­aus­le­se, sodass die vom Beklag­ten vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des § 2 des Nach­su­chen­ge­spann-Ver­tra­ges auch das allein geeig­ne­te Mit­tel und damit auch das erfor­der­li­che Mit­tel ist.

Auf­grund die­ser Ver­trags­aus­le­gung ist auch kei­ne Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes gem. Art. 3 Abs. 1 GG gege­ben. Durch eine sol­che Aus­le­gung wer­den die Ver­gleichs­grup­pen „Füh­rer von Jagd­hun­de­ras­sen mit Papie­ren” und „Füh­rer von Jagd­hun­de­ras­sen mit (nur) regis­trier­ten Papie­ren” zwar inso­weit ungleich behan­delt, als dass es nur der ers­te­ren Grup­pe über­haupt mög­lich ist, eine Aner­ken­nung mit­tels Able­gung der Eig­nungs­prü­fung unter Mit­wir­kung des JGHV zu erlan­gen. Eine sol­che Ungleich­be­hand­lung betrifft aber — wie dar­ge­stellt — nicht gleich­ge­la­ger­te Fäl­le und ist damit — wie eben­falls dar­ge­stellt — auf­grund sach­li­cher Erwä­gun­gen gerecht­fer­tigt, ohne dass es auf die Fra­ge der glei­chen Eig­nung der Hun­de — wie bereits gezeigt — ankommt.

Nach alle­dem ergibt sich, dass die Aus­le­gung des Begrif­fes „Vor­prü­fung” i.S.d. § 2 Abs. 2 Nach­su­che­ge­spann-Ver­trag der­ge­stalt, dass die­se not­wen­di­ger­wei­se eine Prü­fung nach den Kri­te­ri­en des JGHV bzw. unter Betei­li­gung von deren Rich­tern vor­sieht, mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar ist.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Juni 2014 — 7 A 4913

  1. GVOBl. Schl.-H., S. 300 []
  2. abge­druckt in: Dehn (Hrsg.), Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Band D2, Stand: März 2010, D 7 SH, Anhang 1.18a []
  3. Schulz, Jagd­recht in Schles­wig-Hol­stein, Kom­men­tie­rung zum BJagdG/LJagdG, in: Dehn (Hrsg.), Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Band D2, Stand: Dez.2011, § 23 LJagdG, Rdnr. 3 []
  4. Kopp/Schenke, VwGO, Kom­men­tar, 19. Aufl., 2013, § 81, Rdnr. 9 m.w.N. []
  5. vgl. Kopp/Ramsauer, VwVfG, Kom­men­tar, 13. Aufl., 2012, § 59, Rdnr. 9 []
  6. Stern/Becker/Horn, Grund­rech­te­kom­men­tar, 2010, Art. 2, Rdnr. 97 []
  7. m.w.N. Stern/Becker/Stern, Grund­rech­te­kom­men­tar, 2010, Einl., Rdnr. 136 []
  8. vgl. Schuck/Schuck, Bun­des­jagd­ge­setz, Kom­men­tar, 2010, § 1, Rdnr. 27 []
  9. m.w.N. Stern/Becker/Stern, Grund­rech­te­kom­men­tar, 2010, Art. 2, Rdnr. 139 []