Wildschäden: alle vorkommenden Hirsche zum Abschuss freigeben ?

Ein Antrag auf Erle­gung von Hir­schen außer­halb der Bewirt­schaf­tungs­zo­ne bedarf kon­kre­ter Anga­ben über Art und Umfang der zu ver­zeich­nen­den Wild­schä­den und ihrer Ursa­chen sowie zum Wild­auf­kom­men und der Inten­si­tät der Jagd­aus­übung.

Wildschäden: alle vorkommenden Hirsche zum Abschuss freigeben ?

Mit die­ser Begrün­dung ist die Kla­ge eines Jägers gegen die Nicht­er­tei­lung einer Ein­wil­li­gung zur Erle­gung unter ande­rem von Rot­hir­schen der Klas­se II in sei­nem Jagd­be­zirk für das Jagd­jahr 2014/2015 vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz abge­wie­sen wor­den. Der Klä­ger ist Jagd­aus­übungs­be­rech­tig­ter in einem Eigen­jagd­be­zirk. In dem Jagd­be­zirk, der außer­halb der Bewirt­schaf­tungs­zo­ne für Scha­len­wild liegt, unter­hält der Klä­ger zudem einen Forst­be­trieb. In sei­ner Kla­ge hat der Jäger vor­ge­tra­gen, die Ertei­lung der Ein­wil­li­gung sei zur Ver­mei­dung zuneh­men­der durch Rot­wild ver­ur­sach­ter Wild­schä­den erfor­der­lich. Da ins­be­son­de­re die soge­nann­ten Fege­schä­den von Hir­schen ver­ur­sacht wür­den, sei die von Hir­schen ver­ur­sach­te Scha­dens­last grö­ßer als bei weib­li­chem Wild. Eine Redu­zie­rung der Wild­schä­den sei nur dann zu erzie­len, wenn alle vor­kom­men­den Hir­sche zum Abschuss frei­ge­ge­ben wür­den.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz nicht gefolgt. Denn der Klä­ger habe nicht hin­rei­chend begrün­det, dass die Erle­gung von Hir­schen der Klas­se II zur Scha­dens­ab­wehr erfor­der­lich sei. Nach den ein­schlä­gi­gen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen sei­en Hir­sche der Klas­sen I und II außer­halb der Bewirt­schaf­tungs­be­zir­ke unter einen beson­de­ren Schutz gestellt, den das übri­ge Rot­wild nicht genie­ße. Des­halb müs­se in einem Antrag auf Ein­wil­li­gung zur Erle­gung von Hir­schen der Klas­sen I und II schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wer­den, dass der Abschuss zur Wah­rung der berech­tig­ten Ansprü­che der Land‑, Forst- und Fische­rei­wirt­schaft auf Schutz gegen Wild­schä­den oder der Belan­ge des Nach­bar­schut­zes, der Land­schafts­pfle­ge und der Bekämp­fung von Tier­seu­chen erfor­der­lich ist. Dies set­ze kon­kre­te Anga­ben über Art und Umfang der zu ver­zeich­nen­den Wild­schä­den und ihrer Ursa­chen sowie zum Wild­auf­kom­men und der Inten­si­tät der Jagd­aus­übung vor­aus. An der­ar­ti­gen kon­kre­ten Anga­ben feh­le es im Antrag des Klä­gers, so dass er dem Beklag­ten kei­ne hin­rei­chen­de Grund­la­ge für eine posi­ti­ve Ent­schei­dung gege­ben habe. Es habe dem Klä­ger ein Anspruch auf Ertei­lung der begehr­ten Ein­wil­li­gung nicht zuge­stan­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 23. Juni 2015 — 1 K 122614.KO