Wildschaden

Unter Wild­scha­den ver­steht man den Scha­den, den Wild in der Land­wirt­schaft oder der Forst­wirt­schaft ver­ur­sacht. Der Wild­scha­den steht seit jeher im Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen dem Land­wirt bzw. Forst­wirt und dem Jäger. Kla­gen über hohe Wild­schä­den sind bereit aus der karo­lin­gi­schen Zeit des frü­hen Mit­tel­al­ters akten­kun­dig. Seit­dem führt immer wie­der der Wunsch der Herr­scher nach viel Wild für die reprä­sen­ta­ti­ve Jagd zum Kon­flikt mit der um Ihre Ern­te fürch­ten­den Land­be­völ­ke­rung. Der Inter­es­sen­aus­gleich wird heu­te über das in den §§ 29 ff. BJagdG gere­gel­te Wild­scha­dens­recht ver­sucht.

Wildschaden

Landwirtschaft[↑]

Die Jagd­ge­set­ze ver­ste­hen unter Wild­schä­den in der Land­wirt­schaft durch jagd­ba­re Tie­re ver­ur­sach­te Beschä­di­gun­gen an land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen und deren Saat.

Beson­ders bedeut­sam in der Land­wirt­schaft sind die Schä­den durch Schwarz­wild:

  • So suchen Wild­schwei­ne oft­mals die Fel­der wäh­rend der Aus­saat auf und ernäh­ren sich vom Saat­gut, ins­be­son­de­re von Saat­kar­tof­feln und vom Saat­ge­trei­de.
  • Aber auch rei­fe Feld­früch­te sind vor Wild­schwei­nen nicht sicher; dies gilt ins­be­son­de­re für Kar­tof­feln, Wei­zen, Hafer und Mais.
  • Eben­falls zu den vom Schwarz­wild ver­ur­sach­ten Wild­schä­den zäh­len die Wie­sen­schä­den. Ins­be­son­de­re im Herbst und Win­ter suchen Wild­schwei­ne die Wie­sen und Wei­den auf und wüh­len dort auf ihrer Suche nach Enger­lin­gen und Mäu­sen den Boden um.

Forstwirtschaft[↑]

In der Forst­wirt­schaft ist der Wild­scha­den gekenn­zeich­net durch die Beschä­di­gung der Bäu­me und ins­be­son­de­re der jun­gen Forst­pflan­zen durch Ver­biss, Stel­lung und Fegen. Im Gegen­satz zu den Wild­schä­den in der Land­wirt­schaft zeich­net sich der Wild­scha­den in der Forst­wirt­schaft nicht so sehr Tor nur durch die aku­ten Schä­den aus, son­dern ins­be­son­de­re auch durch die durch das Wild ver­ur­sach­ten öko­lo­gi­schen Lang­zeit­schä­den. Ein typi­sches Bei­spiel ist hier­für der selek­ti­ve Ver­biss durch Reh­wild, bei durch ein selek­ti­ves Her­aus­fres­sen der für das Reh­wild schmack­haf­ter Baum­ar­ten jedem Misch­wald auf Dau­er arg zuge­setzt wer­den kann, so dass in eini­gen Wäl­dern nur die rela­tiv unemp­find­li­chen Fich­ten und Buchen­dem Fraß­druck stand­hal­ten kön­nen.

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Wildschadensrecht[↑]

Das in den §§ 29 ff. BJagdG nor­mier­te Wild­scha­dens­recht sieht zunächst den Eigen­tü­mer (bei einem Eigen­jagd­be­zirk) bezie­hungs­wei­se die Jagd­ge­nos­sen­schaft (bei einem gemein­schaft­li­chen Jagd­be­zirk) in der Pflicht.

So ist die Jagd­ge­nos­sen­schaft ersatz­pflich­tig für die durch Scha­len­wild, Wild­ka­nin­chen oder Fasa­nen an einem Grund­stück ver­ur­sach­ten Schä­den, das zu einem gemein­schaft­li­chen Jagd­be­zirk gehört oder einem gemein­schaft­li­chen Jagd­be­zirk ange­glie­dert ist, § 29 Abs. 1 S. 1 BJagdG.

Dem­ge­gen­über ist der Jagd­päch­ter nur inso­weit für Wild­schä­den haft­bar, wie er die­se Haf­tung ganz oder teil­wei­se über­nom­men hat. Neben die­ser ver­trag­lich über­nom­me­nen Haf­tung des Jagd­päch­ters bleibt die Haf­tung der Jagd­ge­nos­sen­schaft jedoch sub­si­di­är bestehen. Die Jagd­ge­nos­sen­schaft bleibt somit für den Wild­scha­den ersatz­pflich­tig, soweit von dem Jagd­päch­ter kein Ersatz für den Geschä­dig­ten zu erlan­gen ist.

Typi­scher­wei­se erfolgt die­se Über­nah­me der Haf­tung durch den Jagd­päch­ter in den mit der Jagd­ge­nos­sen­schaft abge­schlos­se­nen Jagd­pacht­ver­trä­gen. Für die Haf­tungs­über­nah­me in dem Jagd­pacht­ver­trag haben sich heut­zu­ta­ge meh­re­re Model­le eta­bliert. Neben einer voll­stän­di­gen Über­nah­me der Haf­tung durch den Jagd­päch­ter wer­den man­cher­orts auch Wild­scha­dens­pau­scha­len vereinbart,deren Höhe sich an den vor­aus­sicht­lich anfal­len­den Wild­scha­dens­ab­wehr­maß­nah­men ori­en­tiert. Zuneh­mend wer­den aber auch Jagd­pacht­ver­trä­ge geschlos­sen, in denen kon­kret zu erstat­ten­de Geld­be­trä­ge je geschä­dig­ter Pflan­ze ver­ein­bart wer­den und gleich­zei­tig die Beweis­last vom Geschä­dig­ten auf den Jagd­päch­ter ver­la­gert wird.