Tod im Wald — und die Sicherungspflichten des Waldeigentümers

Ein Wald­ei­gen­tü­mer muss ein Wald­stück vor Über­ga­be an einen Pri­va­ten — im ent­schie­de­nen Fall an einen Forst­wirt, aber denk­bar auch an ande­re Per­so­nen — nicht auf Gefah­ren­quel­len kon­trol­lie­ren.

Tod im Wald — und die Sicherungspflichten des Waldeigentümers

So erhält nach einem aktu­el­len Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz die Wit­we eines Forst­wirts vom beklag­ten Land Rhein­land-Pfalz kei­nen Ersatz der Beer­di­gungs­kos­ten nach dem Tode ihres Man­nes. Der damals 68-jäh­ri­ge wur­de im März 2008 beim Fäl­len eines Bau­mes im Staats­wald des Forst­am­tes Rhein­hes­sen (Gemar­kung Ober­wie­sen) von einem bereits zuvor geschla­ge­nen, aber noch nicht her­un­ter­ge­stürz­tem Baum — einem soge­nann­ten „Hän­ger” — schwer am Kopf getrof­fen und ver­starb eini­ge Tage spä­ter an den Fol­gen. Der Anspruch der Wit­we schei­ter­te nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz dar­an, dass ein Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern des Forst­am­tes nicht fest­stell­bar war.

Die Klä­ge­rin hat­te den Mit­ar­bei­tern des Forst­amts vor­ge­wor­fen, bei der vor­he­ri­gen Durch­fors­tung im April 2007 den „Hän­ger” nicht ord­nungs­ge­mäß zu Boden gebracht bzw. jeden­falls nicht hin­rei­chend gekenn­zeich­net zu haben. Zudem hät­te das Wald­stück vor Über­nah­me des Distrikts durch ihren Mann im Okto­ber 2007 kon­trol­liert wer­den müs­sen. Letzt­lich hät­ten durch Bäu­me ver­sperr­te Wald­we­ge eine recht­zei­ti­ge Ret­tung ihres Man­nes ver­hin­dert.

Bereits das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Mainz hat­te die Kla­ge abge­wie­sen, da es nicht belegt sei, dass der „Hän­ger” durch Mit­ar­bei­ter der Beklag­ten ver­ur­sacht und sodann nicht rich­tig gekenn­zeich­net wor­den sei. Eine lücken­lo­se Kon­trol­le des Wald­stücks vor Über­ga­be an einen Pri­va­ten sei zudem nicht vor­ge­schrie­ben, die­ser sei grund­sätz­lich für sei­ne Arbeits­si­cher­heit selbst ver­ant­wort­lich. Es sei letzt­lich nicht dar­ge­legt, dass bei frei zugäng­li­chen Wald­we­gen eine Lebens­ret­tung mög­lich gewe­sen sei.

Die Wit­we ver­folg­te mit der Beru­fung ihr erst­in­stanz­li­ches Begehr wei­ter. Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz bestä­tig­te nun die Ent­schei­dung des Land­ge­richts und wies die Beru­fung zurück. Es sei nicht nach­ge­wie­sen, dass Mit­ar­bei­ter des Forst­am­tes selbst den für den Unfall ver­ant­wort­li­chen, hän­gen­ge­blie­be­nen Baum abge­sägt, nicht rich­tig ent­sorgt oder nicht aus­rei­chend auf die Gefah­ren­quel­le hin­ge­wie­sen hät­ten. Außer­dem sei­en die Ret­tungs­we­ge pas­sier­bar und aus­rei­chend mar­kiert gewe­sen. Es gebe zudem kei­nen Hin­weis dar­auf, dass der Mann hät­te geret­tet wer­den kön­nen, wenn er frü­her behan­delt wor­den wäre.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 6. Juli 2011 — 1 U 134310