Keine rechten Jäger — Unzuverlässigkeit durch Mitgliedschaft in der NPD

Einer Per­son, die als Vor­sit­zen­de des Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt der NPD tätig ist, fehlt es an der erfor­der­li­chen waf­fen­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit.

Keine rechten Jäger — Unzuverlässigkeit durch Mitgliedschaft in der NPD

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall das Waf­fen­ver­bot und den Wider­ruf einer Waf­fen­er­laub­nis als recht­mä­ßig ange­se­hen. Der Klä­ger besaß Erlaub­nis­se zum Besitz von acht Jagd­waf­fen. Das Stadt­amt wider­rief die­se Erlaub­nis­se und erteil­te zusätz­lich ein Ver­bot, erlaub­nis­freie und erlaub­nis­pflich­ti­ge Waf­fen zu besit­zen. Waf­fen­be­sitz­kar­te, Waf­fen und Muni­ti­on wur­den sicher­ge­stellt und ein­ge­zo­gen. Zur Begrün­dung führ­te das Stadt­amt aus, der Klä­ger gehö­re der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne in Bre­men an und wir­ke dort aktiv im NPD-Kreis­ver­band mit. Seit März 2010 sei er Vor­sit­zen­der des NPDKreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt. Die NPD sei als ver­fas­sungs­feind­lich ein­zu­stu­fen. Die waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis sei zu wider­ru­fen, da der Klä­ger die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht erfül­le. Ange­sichts sei­ner ver­fas­sungs­feind­li­chen Bestre­bun­gen bie­te er nicht die Gewähr dafür, stets in jeder Hin­sicht und ver­ant­wor­tungs­be­wusst mit Waf­fen und Muni­ti­on umzu­ge­hen. Die Ver­fü­gung wur­de vom Sena­tor für Inne­res und Sport bestä­tigt.

Der Klä­ger trug mit sei­ner Kla­ge u.a. vor, die Ent­zie­hung der Waf­fen­er­laub­nis sei über­wie­gend ideo­lo­gisch begrün­det. Es man­ge­le an jedem sub­stan­ti­ier­ten Vor­wurf gegen den Klä­ger. Gera­de die Unter­stüt­zung des Wahl­an­trit­tes einer Par­tei zu einer Land­tags­wahl bele­ge eine posi­ti­ve Grund­hal­tung zur frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung. Der von der Beklag­ten ver­wen­de­te Begriff des „Rechts­ex­tre­mis­mus” sei ohne recht­li­che Ope­ra­bi­li­tät. Im Rah­men sei­nes par­tei­po­li­ti­schen Enga­ge­ments neh­me der Klä­ger sein Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit wahr und ver­tre­te mit der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ver­ein­ba­re Posi­tio­nen, die­sen Stand­punkt habe er auch inner­halb der Par­tei zur Gel­tung gebracht. Die NPD sei eine zuge­las­se­ne und in ihrer Ziel­set­zung rechts­staats­kon­for­me Par­tei; dies erge­be sich auch aus dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von 2003 zum Ver­bots­ver­fah­ren. Der Klä­ger sei für den Kreis­ver­band zustän­dig gewe­sen, nicht jedoch für die Lan­des- oder Bun­des­par­tei; für den Inhalt der Wahl­wer­bung sei er nicht ver­ant­wort­lich gewe­sen und er habe auf die Gesamt­par­tei kei­nen Ein­fluss gehabt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men aus­ge­führt, dass der Klä­ger sich durch sei­ne Tätig­keit als Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt der NPD als waf­fen­recht­lich unzu­ver­läs­sig erwie­sen habe. Nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 a) WaffG besit­zen die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit in der Regel Per­so­nen nicht, die ein­zeln oder als Mit­glied einer Ver­ei­ni­gung Bestre­bun­gen ver­fol­gen oder unter­stüt­zen oder in den letz­ten fünf Jah­ren ver­folgt oder unter­stützt haben, die gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung gerich­tet sind. Die­ser Tat­be­stand sei durch die Tätig­keit Klä­gers und sei­ne Eigen­schaft als Funk­ti­ons­trä­ger der NPD erfüllt. Es bestehe kein Zwei­fel dar­an, dass die Akti­vi­tä­ten der NPD sich gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung rich­ten. Dies beleg­ten die Recht­spre­chung ande­rer Ver­wal­tungs­ge­rich­te und die aktu­el­len Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te des Bun­des und des Lan­des Bre­men. Uner­heb­lich sei, dass die NPD eine zuge­las­se­ne, nicht ver­bo­te­ne Par­tei ist. Für die Annah­me einer waf­fen­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit rei­che ein ver­fas­sungs­feind­li­ches Bestre­ben einer Par­tei aus, dies ist abzu­gren­zen von einem ver­fas­sungs­wid­ri­gen, kämp­fe­risch-aggres­si­ven Bestre­ben, wel­ches Vor­aus­set­zung für ein Par­tei­ver­bot ist.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung des Stadt­am­tes voll­um­fäng­lich bestä­tigt. Sowohl der Wider­ruf der Waf­fen­er­laub­nis­se als auch das im Ermes­sen ste­hen­de Waf­fen­ver­bot sei­en recht­mä­ßig. Die Kla­ge ist abge­wie­sen wor­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, Urteil vom 8. August 2014 – 2 K 100213