Gebührenpflicht für die Regelüberprüfung der Zuverlässigkeit

Waf­fen­be­sit­zer haben eine Gebühr für die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den vor­ge­schrie­be­ne Über­prü­fung ihrer Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung zu zah­len. Dies gilt nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts selbst dann, wenn die letz­te der­ar­ti­ge Über­prü­fung erst etwa zwei Jah­re zurück­liegt und inzwi­schen ein Jah­res­jagd­schein erteilt wur­de.

Gebührenpflicht für die Regelüberprüfung der Zuverlässigkeit

Auf­grund der Waf­fen­ge­setz­no­vel­le aus dem Jah­re 2002 hat die zustän­di­ge Behör­de die Inha­ber von waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis­sen in regel­mä­ßi­gen Abstän­den, min­des­tens jedoch nach Ablauf von drei Jah­ren, erneut auf ihre Zuver­läs­sig­keit und ihre per­sön­li­che Eig­nung zu prü­fen. Im Rah­men die­ser Über­prü­fung hat sie eine unbe­schränk­te Aus­kunft aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter, eine Aus­kunft aus dem zen­tra­len staats­an­walt­schaft­li­chen Ver­fah­rens­re­gis­ter sowie eine Stel­lung­nah­me der ört­li­chen Poli­zei­dienst­stel­le ein­zu­ho­len.

Der Klä­ger des heu­te vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Falls ist Jäger und Waf­fen­be­sit­zer. Der beklag­te Land­kreis über­prüf­te ihn erst­mals im Novem­ber 2004 im Rah­men der neu ein­ge­führ­ten, anlass­lo­sen Regel­über­prü­fung auf sei­ne Zuver­läs­sig­keit und sei­ne per­sön­li­che Eig­nung. Im April 2006 stell­te der beklag­te Land­kreis dem Klä­ger einen Jah­res­jagd­schein aus. Im Janu­ar 2007 lei­te­te der beklag­te Land­kreis erneut die Regel­über­prü­fung ein. Aus den ein­ge­hol­ten Aus­künf­ten aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter, dem zen­tra­len staats­an­walt­schaft­li­chen Ver­fah­rens­re­gis­ter und der Stel­lung­nah­me der ört­li­chen Poli­zei­dienst­stel­le erga­ben sich kei­ne Anhalts­punk­te, die gegen die waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit und die per­sön­li­che Eig­nung des Klä­gers hät­ten spre­chen kön­nen. Der beklag­te Land­kreis teil­te dem Klä­ger das Ergeb­nis der Über­prü­fung mit und ver­lang­te durch den ange­foch­te­nen Gebüh­ren­be­scheid von ihm für die Über­prü­fung die gesetz­lich bestimm­te Min­dest­ge­bühr von 25,56 €.

Das erst­in­stanz­lich mit der hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen hat die Kla­ge gegen den Gebüh­ren­be­scheid abge­wie­sen1, das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg hat die Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen2. Auch sei­ne Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te jetzt kei­nen Erfolg.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zunächst fest­ge­stellt, dass die Erhe­bung der Gebühr auf einer recht­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­hand­lung beruht. Der beklag­te Land­kreis durf­te den Klä­ger erneut auf sei­ne Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­che Eig­nung über­prü­fen, auch wenn die letz­te Regel­über­prü­fung weni­ger als drei Jah­re, näm­lich nur gut zwei Jah­re, zurück­lag. Nach dem Waf­fen­ge­setz muss die Regel­über­prü­fung spä­tes­tens nach drei Jah­ren wie­der­holt wer­den.

Einen Min­dest­ab­stand zwi­schen den Über­prü­fun­gen schreibt das Gesetz nicht vor. Allen­falls wenn der Zeit­raum von drei Jah­ren ohne kon­kre­ten Anlass erheb­lich unter­schrit­ten wird, kann die erneu­te Über­prü­fung nicht erfor­der­lich und die hier­für ver­lang­te Gebühr rechts­wid­rig sein. Ein sol­ches erheb­li­ches Unter­schrei­ten des zeit­li­chen Abstands zwi­schen den Über­prü­fun­gen liegt aber bei einem Abstand von gut zwei Jah­ren nicht vor.

Der beklag­te Land­kreis muss­te von der erneu­ten Regel­über­prü­fung auch nicht des­halb abse­hen, weil er dem Klä­ger etwa ein Jahr vor die­ser Regel­über­prü­fung einen Jah­res­jagd­schein erteilt hat­te. Zwar ist vor der Ertei­lung des Jah­res­jagd­scheins nach der hier­für ein­schlä­gi­gen Vor­schrift des Bun­des­jagd­ge­set­zes eben­falls die Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­che Eig­nung des Jägers zu über­prü­fen. Jedoch waren hier auf­grund der Ver­wal­tungs­pra­xis des Lan­des Nie­der­sach­sen bei der Ertei­lung des Jah­res­jagd­scheins die nach den waf­fen­recht­li­chen Bestim­mun­gen vor­ge­schrie­be­nen Aus­künf­te aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter, dem zen­tra­len staats­an­walt­schaft­li­chen Ver­fah­rens­re­gis­ter und der ört­li­chen Poli­zei­dienst­stel­le nicht ein­ge­holt wor­den.

Die Über­prü­fung des Klä­gers war auch für ihn gebüh­ren­pflich­tig. Nach dem ein­schlä­gi­gen Gebüh­ren­ver­zeich­nis wer­den für sons­ti­ge Amts­hand­lun­gen, ins­be­son­de­re Prü­fun­gen und Unter­su­chun­gen, die auf Ver­an­las­sung des Gebüh­ren­schuld­ners vor­ge­nom­men wer­den, Gebüh­ren erho­ben. Gebüh­ren­recht­li­cher Ver­an­las­ser ist auch der­je­ni­ge, in des­sen Pflich­ten­kreis die Amts­hand­lung vor­ge­nom­men wird. Den Inha­ber einer waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis trifft die Pflicht, sich so zu ver­hal­ten, dass kei­ne Zwei­fel an sei­ner Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung auf­kom­men. Wegen die­ser an die Gefähr­lich­keit von Waf­fen anknüp­fen­den Pflich­ten­stel­lung des Erlaub­nis­in­ha­bers fällt auch die Über­prü­fung sei­ner Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung in sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich und wird von ihm im Sin­ne des Gebüh­ren­tat­be­stands ver­an­lasst.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 22. August 2012 — 6 C 24.11

  1. VG Göt­tin­gen, Urteil 19.05.2010 — 1 A 25909 []
  2. Nds. OVG, Urteil vom 19.04.2011 — 11 LC 26010 []