Die Duldung der Jagdausübung

Bis zum Inkraft­tre­ten einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung und der dar­in vor­ge­se­he­nen Ein­zel­fall­prü­fung muss auch der­je­ni­ge die Jagd­aus­übung auf sei­nem Grund­stück dul­den, der die Jagd aus Gewis­sens­grün­den ablehnt.

Die Duldung der Jagdausübung

So die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in einem Eil­ver­fah­ren, mit dem ein Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die Jagd­aus­übung auf sei­nen Grund­stü­cken ver­hin­dern woll­te. Der Antrag­stel­ler, ein Win­zer und Bio­land­wirt, ist Eigen­tü­mer von ins­ge­samt 59 Grund­stü­cken im Land­kreis Bad Kreuz­nach. Nach der deut­schen Jagd­ge­setz­ge­bung gehö­ren Grund­stü­cke, die – wie hier – kei­nen Eigen­jagd­be­zirk bil­den, zu gemein­schaft­li­chen Jagd­be­zir­ken. Infol­ge­des­sen ist der Antrag­stel­ler kraft Geset­zes Mit­glied meh­re­rer Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten, die das Jagd­recht durch Jagd­päch­ter wahr­neh­men las­sen. Im Juni 2012 hat­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te ent­schie­den, die Ver­pflich­tung eines die Jagd aus ethi­schen Grün­den ableh­nen­den Eigen­tü­mers zur Dul­dung der Jagd auf sei­nen Grund­stü­cken stel­le eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge Belas­tung dar, weil das deut­sche Recht kei­ner­lei Mög­lich­keit zur Berück­sich­ti­gung die­ses Inter­es­ses vor­se­he. Dar­auf­hin bean­trag­te der Antrag­stel­ler bei der Kreis­ver­wal­tung, sei­ne Grund­stü­cke zu jagd­recht­lich befrie­de­ten Bezir­ken zu erklä­ren. Nach­dem die Kreis­ver­wal­tung sei­nen Antrag bis zum Inkraft­tre­ten einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung zurück­ge­stellt hat­te, bean­trag­te er, die Jagd auf sei­nen Grund­stü­cken sofort zu unter­bin­den. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz lehn­te sei­nen Eil­an­trag ab. Hier­ge­gen hat der Antrag­stel­ler Beschwer­de beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Rhein­land-Pfalz hät­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, die die Jagd aus ethi­schen Grün­den ablehn­ten — auch nach dem Recht der euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on — kei­nen unbe­ding­ten Anspruch auf Frei­stel­lung ihrer Grund­stü­cke von der Jagd­aus­übung. Sie könn­ten viel­mehr nur ver­lan­gen, dass ihre Inter­es­sen im Rah­men einer Abwä­gung aller betrof­fe­nen öffent­li­chen Belan­ge und pri­va­ten Inter­es­sen berück­sich­tigt wür­den. Die inzwi­schen im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­de­te, aller­dings erst im Dezem­ber 2013 in Kraft tre­ten­de Neu­re­ge­lung des Bun­des­jagd­ge­set­zes sehe vor, dass die Jagd­be­hör­de künf­tig nach Anhö­rung aller Betrof­fe­nen eine sol­che Abwä­gungs­ent­schei­dung zu tref­fen habe. Es bestehe kein Anlass, die Behör­de bereits jetzt zu einer vor­läu­fi­gen Rege­lung zu ver­pflich­ten. Dem Antrag­stel­ler sei ein Abwar­ten des Inkraft­tre­tens des neu­en Rechts und des dar­in für eine Befrie­dungs­ent­schei­dung vor­ge­se­he­nen Ablaufs des lau­fen­den Jagd­jah­res zum 31.03.2014 zuzu­mu­ten. Denn es sei völ­lig offen, ob das Begeh­ren des Antrag­stel­lers in der Haupt­sa­che Erfolg haben wer­de. Da sei­ne 59 Grund­stü­cke weit ver­streut über 4 Jagd­be­zir­ke gele­gen sei­en, wer­de zu prü­fen sein, ob ein Ruhen der Jagd auf sei­nen Grund­stü­cken öffent­li­che Belan­ge gefähr­den wür­de. Auch habe die unte­re Jagd­be­hör­de ange­kün­digt, sei­nen Antrag bereits jetzt wei­ter bear­bei­ten und eine Abwä­gungs­ent­schei­dung vor­be­rei­ten zu wol­len. Damit sei eine Ent­schei­dung über sein Begeh­ren als­bald nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes und noch vor dem danach frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt für eine (mög­li­cher­wei­se auch teil­wei­se) Befrie­dung sei­ner Grund­stü­cke zu erwar­ten. Ange­sichts des­sen bedür­fe es einer vor­läu­fi­gen gericht­li­chen Rege­lung nicht.

Ober­lan­des­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 21. Juni 2013 — 8 B 1051713.OVG