Der Jagdbezirk in unmittelbarer Nähe des Flughafens

Eine Abrun­dung von Jagd­be­zir­ken u.a. durch eine Anglie­de­rung von Grund­flä­chen setzt vor­aus, dass dies aus Erfor­der­nis­sen der Jagd­pfle­ge und Jagd­aus­übung not­wen­dig ist. Denn eine Abrun­dung erfolgt grund­sätz­lich nicht zu Guns­ten ein­zel­ner Betei­lig­ter, son­dern allein aus Grün­den des öffent­li­chen Inter­es­ses an einer geord­ne­ten Jagd­pfle­ge und Jagd­aus­übung.

Der Jagdbezirk in unmittelbarer Nähe des Flughafens

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Jagd­ge­nos­sen­schaft abge­wie­sen, die ihrem unmit­tel­bar an den Flug­ha­fen Hahn angren­zen­den Jagd­be­zirk wei­te­re, im Eigen­tum der Flug­ha­fen­be­trei­be­rin ste­hen­de Grund­stü­cke ange­glie­dert haben woll­te. Der Jagd­be­zirk der Klä­ge­rin umfasst mit einer Flä­che von 459 Hekt­ar die gesam­te Gemar­kung Hahn mit Aus­nah­me des 90 Hekt­ar gro­ßen Flug­ha­fen­ge­län­des. Die­ses bejagt die Flug­ha­fen­be­trei­be­rin. Eine 25 Hekt­ar gro­ße Teil­flä­che des Flug­ha­fen­ge­län­des liegt außer­halb des den eigent­li­chen Flug­ha­fen umge­ben­den Sicher­heits­zau­nes und grenzt nach drei Sei­ten an den Jagd­be­zirk der kla­gen­den Jagd­ge­nos­sen­schaft. 2011 hat­te die Jagd­ge­nos­sen­schaft beim Rhein-Huns­rück-Kreis bean­tragt, die­se Teil­flä­che aus Grün­den der Jagd­pfle­ge und der gewis­sen­haf­ten Jagd­aus­übung ihrem Jagd­be­zirk zuzu­schla­gen. Der Sicher­heits­zaun ver­hin­de­re den Wild­wech­sel inner­halb des Jagd­be­zirks der Flug­ha­fen­be­trei­be­rin und erschwe­re zudem die Jagd­aus­übung. Ohne die Ver­än­de­rung der Jagd­be­zirks­gren­zen bestehe die Gefahr, dass der Jagd­be­zirk der Klä­ge­rin an Attrak­ti­vi­tät und Wert ver­lie­re. Nach­dem die Kreis­ver­wal­tung die bean­trag­te Anglie­de­rung wegen feh­len­der Not­wen­dig­keit abge­lehnt hat­te, hat­te die Jagd­ge­nos­sen­schaft Kla­ge erho­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass nach dem Lan­des­jagd­ge­setz (LJG) die Abrun­dung von Jagd­be­zir­ken durch Abtren­nung, Anglie­de­rung oder Aus­tausch von Grund­flä­chen vor­aus­setz­te, dass dies aus Erfor­der­nis­sen der Jagd­pfle­ge und Jagd­aus­übung not­wen­dig sei. Dar­an feh­le es hier. Eine Abrun­dung erfol­ge näm­lich grund­sätz­lich nicht zu Guns­ten ein­zel­ner Betei­lig­ter, son­dern allein aus Grün­den des öffent­li­chen Inter­es­ses an einer geord­ne­ten Jagd­pfle­ge und Jagd­aus­übung. Vor­lie­gend habe die Klä­ge­rin jedoch kei­ne Erschwer­nis­se in Bezug auf die Beja­gung ihres eige­nen Jagd­be­zirks gel­tend gemacht, son­dern ledig­lich dar­auf ver­wie­sen, dass der benach­bar­te Jagd­be­zirk der Flug­ha­fen­be­trei­be­rin – ins­be­son­de­re wegen des ihn zer­tei­len­den Sicher­heits­zau­nes – kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Jagd­aus­übung und Jagd­pfle­ge zulas­se. Auch kön­ne sich die Klä­ge­rin nicht dar­auf beru­fen, dass die außer­halb des Sicher­heits­zau­nes gele­ge­ne Teil­flä­che ein jagd­be­zirks­frei­es Gebiet und des­halb ihrem Jagd­be­zirk anzu­glie­dern sei. Viel­mehr bil­de die­se zusam­men mit dem Flug­ha­fen­ge­län­de inner­halb des Sicher­heits­zau­nes einen Eigen­jagd­be­zirk im Sin­ne des LJG, da es sich bei dem Gesamt­are­al um eine zusam­men­hän­gen­de, min­des­tens 75 Hekt­ar gro­ße, land­wirt­schaft­lich nutz­ba­re Flä­che im Eigen­tum ein und der­sel­ben juris­ti­schen Per­son, näm­lich der Flug­ha­fen­be­trei­be­rin, han­de­le. Hier­an ände­re der Sicher­heits­zaun nichts. Abge­se­hen davon, dass die­ser den allein vor­aus­ge­setz­ten Flä­chen­zu­sam­men­hang nicht unter­bre­che, berück­sich­ti­ge das Gesetz auch tren­nen­de natür­li­che und künst­li­che Hin­der­nis­se (etwa Was­ser­läu­fe, Wege und Eisen­bahn­kör­per) grund­sätz­lich nicht. Das ent­spre­che dem gesetz­li­chen Grund­prin­zip, wonach das Eigen­tums­recht und das Recht zur Jagd­aus­übung ab einer gewis­sen Flä­chen­grö­ße nicht von­ein­an­der getrennt wer­den sol­len. Dies sei auch vor­lie­gend nicht anders zu bewer­ten, da der Zaun einer ord­nungs­ge­mä­ßen Jagd­aus­übung auf der außer­halb gele­ge­nen Flä­che, wel­che über die B 327 ohne wei­te­res zu errei­chen sei, nicht ent­ge­gen­ste­he.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 25. Okto­ber 2012 — 6 K 33812.KO