Der Abschuss einer Muffelwildherde

Hat die zustän­di­ge Gemein­de ver­kannt, dass gra­vie­ren­de Wild­schä­den nicht län­ger nur mit einer Begren­zung des Bestan­des, flan­kiert durch Maß­nah­men wie Heu­füt­te­rung oder Ver­grä­mung des Wil­des begeg­net wer­den darf, ist das recht­lich geschütz­te Inter­es­se der Klä­ge­rin als Wald­ei­gen­tü­me­rin an der Ver­hin­de­rung wei­te­rer Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen durch gra­vie­ren­de Wald­schä­den nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt wor­den.

Der Abschuss einer Muffelwildherde

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den in dem hier vor­lie­gen­den Fall den ableh­nen­den Bescheid der Stadt Bie­le­feld betref­fend den Abschuss­plan 2012/2013 auf­ge­ho­ben und die Stadt ver­pflich­tet, über den Antrag einer Forst­be­sit­ze­rin auf Total­ab­schuss einer Muf­fel­wild­her­de neu zu ent­schei­den. Die Klä­ge­rin hat­te den Total­ab­schuss der Her­de für die Abschuss­plä­ne 2011/2012 und 2012/2013 mit der Begrün­dung bean­tragt, das Muf­fel­wild ver­ur­sa­che gro­ße Wald­schä­den, wel­che auch eine bestehen­de Zer­ti­fi­zie­rung ihres Wald­ge­bie­tes gefähr­de­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Min­den habe die Beklag­te das recht­lich geschütz­te Inter­es­se der Klä­ge­rin als Wald­ei­gen­tü­me­rin an der Ver­hin­de­rung wei­te­rer Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen durch gra­vie­ren­de Wald­schä­den nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Sie habe ver­kannt, dass den gra­vie­ren­den Wild­schä­den nicht län­ger nur mit einer Begren­zung des Bestan­des, flan­kiert durch Maß­nah­men wie Heu­füt­te­rung oder Ver­grä­mung des Wil­des begeg­net wer­den dür­fe. Letz­te­res bestä­tig­ten die Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re. Ein Ein­zel­schutz der Bäu­me, des­sen Anbrin­gung die Jäger­schaft ange­bo­ten habe, schei­de wegen der Zer­ti­fi­zie­rung aus. Auch ver­bie­te sich die Reduk­ti­on der Her­de auf nur 8 Tie­re. Für ein art­nor­ma­les Bio­so­zi­al­ver­hal­ten sei ein Min­dest­be­stand von 15 Tie­ren erfor­der­lich.

Eine Ver­pflich­tung der Beklag­ten zur Fest­set­zung des Total­ab­schus­ses für den Eigen­jagd­be­zirk der Klä­ge­rin kom­me gegen­wär­tig nicht in Betracht. Die Klä­ge­rin sei Mit­glied einer Hege­ge­mein­schaft. Inso­weit bedür­fe es der Abstim­mung mit den Jagd­vor­stän­den der betei­lig­ten Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten und den Inha­bern der Eigen­jagd­be­zir­ke. Zudem müs­se der Jagd­bei­rat zustim­men.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urteil vom 18. Janu­ar 2013 — 8 K 191711