Das erschossene Islandpony

Es gehört zu den ele­men­ta­ren Ver­hal­tens­re­geln der Jagd­aus­übung, dass der Jäger einen Schuss auf Wild nur dann abge­ben darf, wenn er sich über das Tier, das er beschießt, ver­ge­wis­sert hat. Ansons­ten ver­bie­tet jede noch so gerin­ge Unsi­cher­heit und Unwäg­bar­keit den Schuss. Ein Ver­stoß gegen die­se grund­le­gen­de Pflicht führt zur waf­fen­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit.

Das erschossene Islandpony

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, mit dem sich ein Jäger dage­gen gewehrt hat, dass sei­ne waf­fen- und muni­ti­ons­recht­li­che Erlaub­nis wider­ru­fen wor­den ist, weil er ein Island­po­ny statt eines Wild­schweins erschos­sen hat. Der Antrag­stel­ler hat­te bei der Jagd im August 2012 ein Island­po­ny mit einem Wild­schwein ver­wech­selt und das Pony getö­tet. Dar­auf­hin wider­rief die Waf­fen­be­hör­de sei­ne waf­fen- und muni­ti­ons­recht­li­che Erlaub­nis. Der Antrag­stel­ler hat­te dage­gen ein­ge­wandt, ein ein­zi­ger Fehl­schuss kön­ne die waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht in Fra­ge stel­len; zudem sei es bei der Schuss­ab­ga­be bereits dun­kel gewe­sen. Schließ­lich berief sich der Antrag­stel­ler auf die Ein­stel­lung des gegen ihn wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Tier­schutz­ge­setz ein­ge­lei­te­ten Straf­ver­fah­rens.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin feh­le es an der Zuver­läs­sig­keit des Antrag­stel­lers, da Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­tig­ten, dass er Waf­fen oder Muni­ti­on miss­bräuch­lich oder leicht­fer­tig ver­wen­den wer­de. Es gehö­re zu den ele­men­ta­ren Ver­hal­tens­re­geln des Gebrauchs von Schuss­waf­fen bei der Jagd, dass der Jäger einen Schuss auf Wild nur dann abge­ben dür­fe, wenn er sich über das Tier, das er beschie­ße, ver­ge­wis­sert habe. Der Jäger müs­se daher das Tier vor Schuss­ab­ga­be jeden­falls nach sei­ner Art, even­tu­ell auch nach Alter, Geschlecht und Kör­per­zu­stand bestim­men. Ansons­ten ver­bie­te jede noch so gerin­ge Unsi­cher­heit und Unwäg­bar­keit den Schuss. Der Antrag­stel­ler habe gegen die­se grund­le­gen­de Pflicht der Jagd­aus­übung in erheb­li­cher Wei­se ver­sto­ßen, und es hät­ten auch kei­ne Umstän­de vor­ge­le­gen, die die Jagd­si­tua­ti­on als kom­pli­ziert erschei­nen lie­ßen.

Zudem habe der Antrag­stel­ler damit rech­nen müs­sen, in sei­nem in der Nähe eines Pfer­de­ho­fes gele­ge­nen Jagd­be­reich einem Pony zu begeg­nen. Auf die man­geln­den Sicht­ver­hält­nis­se kön­ne er sich nicht beru­fen, da in die­sem Fall der Schuss gänz­lich hät­te unter­blei­ben müs­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 23. Okto­ber 2013 — VG 1 L 251.13