Berliner Jagdzeitenverordnung

Die Ber­li­ner Lan­des-Jagd­zei­ten­ver­ord­nung von 2007 ist teil­wei­se nich­tig, wie jetzt das Ber­li­ner Ver­wal­tungs­ge­richt mit einer ziem­lich deut­li­chen Begrün­dung urteil­te und damit der Kla­ge eines Jägers statt­gab, der fest­ge­stellt wis­sen woll­te, dass er nach wie vor zur Jagd auf Stein­mar­der, Bläss­hüh­ner, Rin­gel­tau­ben und Stock­enten berech­tigt ist.

Berliner Jagdzeitenverordnung

Die Jagd auf die­se Tie­re war mit der Jagd­zei­ten­ver­ord­nung aus dem Jahr 2007 durch Auf­he­bung der bun­des­recht­lich fest­ge­setz­ten Jagd­zei­ten prak­tisch ver­bo­ten wor­den. Das Gericht befand jetzt, dass die Ver­ord­nung inso­weit nich­tig ist, weil sie nicht der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge im Lan­des­jagd­ge­setz ent­spre­che.

Die Auf­he­bung der Jagd­zeit für den Stein­mar­der war von der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung damit begrün­det wor­den, dass die­se Tie­re nur mit Fal­len effek­tiv gejagt wer­den könn­ten. Da die Fal­len­jagd in Ber­lin ver­bo­ten sei, sei die Fest­le­gung einer Jagd­zeit nicht sinn­voll. Das Gericht hielt dies nicht für trag­fä­hig und urteil­te, dass das durch die Eigen­tums­ga­ran­tie ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Jagd­recht nur aus den im Jagd­recht (Bun­des­jagd­ge­setz, Lan­des­jagd­ge­setz) genann­ten Grün­den, u.a. der Hege des Wil­des ein­ge­schränkt wer­den dür­fe, nicht aber, weil ein prak­ti­sches Bedürf­nis nach Zulas­sung der Jagd nicht bestehe. Nicht die Bei­be­hal­tung des Jagd­rechts, son­dern sei­ne Ein­schrän­kung müs­se jagd­recht­lich gerecht­fer­tigt sein. Jagd­recht­lich rele­van­te Erwä­gun­gen wie sol­che des Arten- und Tier­schut­zes oder der Wild­he­ge habe das ver­klag­te Land Ber­lin hier aber nicht gel­tend gemacht.

Für die genann­ten Vogel­ar­ten beruh­te das Jagd­ver­bot auf der Erwä­gung der Senats­ver­wal­tung, dass ein Groß­teil der Tie­re bei der Jagd mit Schrot nicht töd­lich getrof­fen, son­dern nur krank geschos­sen wer­de. Eine Nach­su­che sei oft nicht mög­lich, da die­se ver­letz­ten Tie­re für den Jäger nicht unbe­dingt erkenn­bar sei­en. Da ande­rer­seits Wild­schä­den auf land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen durch Vögel nach den Erkennt­nis­sen der Jagd­be­hör­den nicht vor­kä­men, sei eine Beja­gung zur Ver­mei­dung über­mä­ßi­ger Wild­schä­den nicht erfor­der­lich. Das Gericht ent­schied hier­zu, dass die­se Erwä­gun­gen – sofern sie objek­tiv beleg­bar sei­en – zwar das Ver­bot recht­fer­ti­gen könn­ten, Vögel mit Schrot­mu­ni­ti­on zu jagen, nicht aber ein voll­stän­di­ges Jagd­ver­bot. Jagd­ver­bo­te könn­ten nur erlas­sen wer­den, wenn jeg­li­che Jagd auf eine Tier­art – unab­hän­gig von der Jagd­me­tho­de – gegen jagd­recht­li­che Grund­sät­ze ver­sto­ße. Sei­en aber – wie hier die Schrot­jagd – nur bestimm­te Jagd­me­tho­den zu bean­stan­den, dürf­ten auch nur die­se ver­bo­ten wer­den. Neben der Schrot­jagd gebe es auch die – gera­de vom Klä­ger betrie­be­ne – Jagd mit Fal­ken auf Vögel, aber auch mit klein­ka­li­bri­ger Muni­ti­on, für deren Ver­bot kei­ne sach­li­chen Grün­de erkenn­bar sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 27. März 2008 – VG 1 A 193.07