Ausschlussfrist bei Wildschaden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

Nach § 34 Satz 1 BJagdG erlischt der Anspruch auf Ersatz von Wild-schä­den an land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen, wenn der Berech­tig­te den Scha­dens­fall nicht bin­nen einer Woche, nach­dem er von dem Scha­den Kennt-nis erhal­ten hat oder bei Beob­ach­tung gehö­ri­ger Sorg­falt erhal­ten hät­te, bei der für das beschä­dig­te Grund­stück zustän­di­gen Behör­de anmel­det.

Ausschlussfrist bei Wildschaden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

Die­se Aus­schluss­frist beruht dar­auf, dass Fest­stel­lun­gen über die Ursa­che eines Scha­dens schnell getrof­fen wer­den müs­sen. Ob über­haupt ein Wild­scha­den im Sin­ne von § 29 Abs. 1 Satz 1 BJagdG — d.h. ein Scha­den, der durch Scha­len­wild, Wild­ka­nin­chen oder Fasa­ne ver­ur­sacht wur­de — vor­liegt, lässt sich in vie­len Fäl­len nur unmit­tel­bar nach sei­ner Ent­ste­hung zuver­läs­sig beur­tei­len. Je spä­ter es zur Prü­fung kommt, des­to schwie­ri­ger ist sie. Häu­fig ist es dann unmög­lich fest­zu­stel­len, ob und inwie­weit (ganz oder zumin­dest teil­wei­se) der Scha­den nicht auch auf Wit­te­rungs­ein­flüs­se (z.B. Frost, Regen, Hagel, Hit­ze), Bestel­lungs- oder Dün­gungs­feh­ler, Schäd­lin­ge aus Fau­na und Flo­ra oder ande­re mensch­li­che oder nicht unter § 29 Abs. 1 Satz 1 BJagdG fal­len­de tie­ri­sche Ein­wir­kun­gen zurück­zu­füh­ren ist. Da schnell ver­gäng­li­che Merk­ma­le wie Fähr­ten, Spu­ren oder Geläuf, Losung oder Gestü­ber, Ver­biss­stel­len sowie Zahn­ab­drü­cke eine Rol­le spie­len und sich das äuße­re Bild, wel­ches maß­geb­li­che Anhalts­punk­te für den Scha­den und sei­ne Ver­ur­sa­chung gera­de durch Schad­wild (§ 29 Abs. 1 Satz 1 BJagdG) gibt, rasch ändern kann, ist ein beschleu­nig­tes Ver­fah­ren mit der kur­zen Wochen­frist des § 34 Satz 1 BJagdG nötig. Inso­weit besteht auch ein staat­li­ches Inter­es­se an einer schnel­len und rei­bungs­lo­sen Erle­di­gung zwecks Ver­mei­dung spä­te­rer auf­wen­di­ger Beweis­auf­nah­men1.

Mit die­ser Aus­schluss­frist des § 34 Satz 1 BJagdG für die Anmel­dung von Wild­schä­den bei land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Die Wochen­frist ist eine von Amts wegen zu beach­ten­de Aus­schluss­frist, deren Ver­säu­men den Anspruch zum Erlö­schen bringt2. Die Beweis­last für die Ein­hal­tung der Frist trifft den Geschä­dig­ten3. Hier­bei hängt die Aus­schluss­wir­kung nicht davon ab, ob im kon­kre­ten Ein­zel­fall tat­säch­lich die ange­spro­che­nen Beweis­schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten. Ist die Frist ver­säumt, bedarf es kei­ner wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zur Scha­dens­ur­sa­che. Nach der gesetz­li­chen Wer­tung in § 34 Satz 1 BJagdG soll der Scha­dens­fall dann viel­mehr zum Nach­teil des Geschä­dig­ten abge­schlos­sen sein. Des­halb kann die Fra­ge der Ver­fris­tung nicht des­halb dahin­ste­hen, weil die Grund­stü­cke des Beklag­ten tat­säch­lich durch Wild im Sin­ne von § 29 Abs. 1 Satz 1 BJagdG geschä­digt wur­den.

Dem Zweck des § 34 Satz 1 BJagdG, eine zügi­ge Fest­stel­lung des Scha­dens und sei­ner Ursa­chen zu ermög­li­chen, muss bei der Bemes­sung der Anfor­de­run­gen an die Über­wa­chung land­wirt­schaft­lich genutz­ter Flä­chen Rech­nung getra­gen wer­den. In die inso­weit zu tref­fen­de Bewer­tung ist aber auch ein­zu­stel­len, dass die Durch­set­zung des gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Ersatz­an­spruchs des Land­wirts für Wild­schä­den nicht durch wirt­schaft­lich unver­nünf­ti­ge Kon­troll­vor­ga­ben nahe­zu unmög­lich gemacht wer­den darf.

Im Schrift­tum sowie in der Recht­spre­chung der Amts- und Land­ge­rich­te wird regel­mä­ßig davon aus­ge­gan­gen, dass ein Land­wirt nor­ma­ler­wei­se min­des­tens alle vier Wochen bzw. min­des­tens ein­mal im Monat sei­ne Anpflan­zun­gen auf Wild­schä­den zu kon­trol­lie­ren hat4. Teil­wei­se wer­den, sofern die erkenn­ba­re Gefahr besteht, dass Wild­schä­den auf­tre­ten, auch kür­ze­re Abstän­de — Inter­val­le von zwei Wochen, unter Umstän­den sogar eine wöchent­li­che Bege­hung der Fel­der — gefor­dert5. Letzt­lich las­sen sich aber kei­ne star­ren, für alle Fall­ge­stal­tun­gen gel­ten­den Fris­ten fest­le­gen. Viel­mehr ist es Auf­ga­be des Tatrich­ters, unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der Scha­dens­träch-tig­keit der jewei­li­gen Fel­der, zu bestim­men, ob der Geschä­dig­te die ihn nach § 34 Satz 1 BJagdG tref­fen­de Kon­trol­l­ob­lie­gen­heit erfüllt hat.

Überprüfung von Maisfeldern

Vor die­sem Hin­ter­grund hat es der Bun­des­ge­richts­hof akzep­tiert, dass der Land­wirt sei­ne Mais­fel­der nicht vor dem 20. August 2007 über­prü­fen muss.

In der Regel hat Mais vor Mitte/Ende August kei­nen der­ar­ti­gen Rei­fe­grad erreicht, dass Wild­schwei­ne die­sen fres­sen und damit nen­nens­wer­te Schä­den anrich­ten. Zwar kann es zu so genann­ten „Plän­kelei­en” bereits ab Mit­te Juli eines Jah­res kom­men. Das Wild, das sich zu die­sem Zeit­punkt zur Nah­rungs­auf­nah­me übli­cher­wei­se in Wei­zen­fel­der oder in Grün­land begibt, schnup­pert dann schon mal am Mais, um aus­zu­pro­bie­ren, ob die­ser bereits genuss­reif ist. Zu die­sem frü­hen Zeit­punkt wer­den dann Hal­me vom Wild umge­knickt. Der dadurch ent­ste­hen­de Scha­den ist aber so gering, dass nicht ein­mal die Ver­fah­rens­kos­ten einer etwai­gen Anmel­dung bei der Behör­de gedeckt sind.

Nachmeldung einer Ausweitung des Wildschadens

Eine Anmel­dung bezieht sich immer nur auf den Scha­den, von dem der Berech­tig­te in der Wochen­frist Kennt­nis erhal­ten hat oder bei Erfül­lung sei­ner Kon­trol­l­ob­lie­gen­heit hät­te erhal­ten kön­nen. Scha­dens­fall im Sin­ne des § 34 Satz 1 BJagdG ist inso­weit der durch das Ein­drin­gen von Schad­wild in die land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen kon­kret ent­stan­de­ne Scha­den. Ein zeit­lich spä­te­rer Scha­den ist nicht Gegen­stand der Anmel­dung, zumal es dies­be­züg­lich zunächst eben­falls der zeit­na­hen Ermitt­lung ihres Ver­ur­sa­chers bedarf.

Des­halb sind neue Schä­den grund­sätz­lich zusätz­lich der Behör­de zu mel­den. Die­se kann das Über­prü­fungs­ver­fah­ren und den hier­zu anzu­be­rau­men­den Orts­ter­min dann auf den wei­te­ren Scha­den erstre­cken. Unter Umstän­den kann die Mel­dung der Behör­de auch Ver­an­las­sung geben, kurz­fris­ti­ger zu ter­mi­nie­ren. Die erneu­te Scha­dens­mel­dung ist fer­ner auch des­halb sinn­voll, um den Ersatz­pflich­ti­gen recht­zei­tig auf die Gefahr eines sich ver­grö­ßern­den Scha­dens auf­merk­sam zu machen und ihn nun­mehr gege­be­nen­falls zu ent­spre­chen­den Vor­keh­run­gen gegen Wild­schä­den zu ver­an­las­sen. Soweit vor die­sem Hin­ter­grund im Schrift­tum und in der amts- und land­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ver­schie­dent­lich eine Nach­mel­dung sich wie­der­ho­len­der Scha­dens­fäl­le bzw. fort­dau­ern­der Scha­dens­hand­lun­gen regel­mä­ßig für erfor­der­lich gehal­ten wird6, steht dies grund­sätz­lich im Ein­klang mit Sinn und Zweck des Geset­zes.

Die­ser Grund­satz schließt aber die Mög­lich­keit einer Aus­nah­me­si­tua­ti­on nicht aus.

Das war etwa das aktu­ell vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­ne Ver­fah­ren durch fol­gen­de Umstän­de gekenn­zeich­net: Der Land­wirt hat in sei­nen Schrei­ben vom 23. August 2007 durch Schad­wild (Wild­schwei­ne) ver­ur­sach­te Beschä­di­gun­gen auf ganz bestimm­ten, nach Flur, Flur­stück und Schlag begrenz­ten Flä­chen ange­mel­det. Nur die­se waren spä­ter auch Gegen­stand des Orts­ter­mins und der Begut­ach­tung durch den Sach­ver­stän­di­gen. Eine ört­li­che Aus­deh­nung der Beweis­auf­nah­me auf ande­re Schlä­ge ohne Anmel­dung bei der Behör­de hat nicht statt­ge­fun­den. Soweit das Schad­wild nach dem 20. August 2007 erneut die bereits betrof­fe­nen Flä­chen auf­ge­sucht und dabei wei­te­re Mais­pflan­zen gefres­sen hat, stell­te dies unstrei­tig eine inner­halb einer zeit­lich abseh­ba­ren und begrenz­ten Pha­se zu erwar­ten­de Ver­tie­fung des schon ein­ge­tre­te­nen Scha­dens dar. Denn Wild­schwei­ne gehen typi­scher­wei­se nach der Milch­wachs­rei­fe bis zur Ern­te­zeit in regel­mä­ßi­gen Abstän­den erneut in die ihnen bekann­ten Mais­schlä­ge zur Nah­rungs­auf­nah­me. Einer zusätz­li­chen War­nung des Jagd­be­rech­tig­ten bedurf­te es des­halb nicht. Die zu erwar­ten­de Scha­dens­aus­wei­tung hat die zustän­di­ge Behör­de im Rah­men des ein­ge­lei­te­ten Über­prü­fungs­ver­fah­rens auch ver­an­lasst, den Orts­ter­min nicht sofort, son­dern etwas spä­ter zeit­nah zur Ern­te abzu­hal­ten, um dann den bis dahin ent­stan­de­nen Gesamt­scha­den begut­ach­ten zu kön­nen. Eine Nach­mel­dung hät­te in die­ser Situa­ti­on eine zeit­lich frü­he­re behörd­li­che Fest­stel­lung des Scha­dens­um­fangs und sei­ner Ursa­chen ersicht­lich nicht bewirkt. Inso­weit hat es der Bun­des­ge­richts­hof gebil­ligt, dass der Land­wirt die bis zum Orts­ter­min wei­ter ein­ge­tre­te­ne Beschä­di­gung von Pflan­zen durch Schad­wild in den bereits als scha­dens­be­trof­fen ange­mel­de­ten Mais­schlä­gen nicht nach­mel­den muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. April 2010 — III ZR 21609

  1. vgl. nur Drees, Wild- und Jagd­scha­den, 7. Aufl., S. 25; Leon­hardt, Jagd­recht, § 34 BJagdG Erl. 2; Mitzschke/Schäfer, BJagdG, 4. Aufl., § 34 Rn. 3; Schuck, BJagdG, § 34 Rn. 5; sie­he auch AG Koblenz, JE IX Nr. 69 S. 5; AG Bad Neu­stadt a.d. Saa­le JE IX Nr. 123 S. 7 []
  2. vgl. nur Drees, a.a.O.; Leon­hardt, a.a.O. Erl. 7; Mitzschke/Schäfer, a.a.O. Rn. 7, jeweils m.w.N.; LG Arns­berg, JE IX Nr. 86 S. 13 f. []
  3. vgl. nur Leon­hardt, a.a.O. Erl. 5, 10; Lorz/Metzger, Jagd­recht, 3. Aufl., § 34 BJagdG Rn. 2; Mitzschke/Schäfer, aaO Rn. 8; Schandau, Das Jagd­recht in Nord­rhein-West­fa­len, 5. Aufl., § 34 LJG-NW S. 266 f; Schuck, aaO Rn. 10; AG Bern­kas­tel-Kues, JE IX Nr. 152 S. 5 f, AG Bad Neu­stadt a.d. Saa­le, aaO S. 5; AG Cochem JE IX Nr. 127 S. 22; LG Hagen JE IX Nr. 107 S. 24; LG Mar­burg JE IX Nr. 139 S. 46 []
  4. vgl. nur Leon­hardt, a.a.O. Erl. 6; Mitzschke/Schäfer, a.a.O. Rn. 7; Schuck, a.a.O. Rn. 5; AG Cochem, a.a.O. S. 23; LG Hechin­gen, JE IX Nr. 83 S. 4; AG Sim­mern JE IX Nr. 122 S. 3 []
  5. vgl. nur Schulz, Das Jagd­recht in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, BJagdG §§ 29-35/LJagdG M‑V § 28, Anm. 4.1 S. 133; Schuck, a.a.O. Rn. 5, 10 m.w.N.; AG Bern­kas­tel-Kues a.a.O. S. 5; AG Kirch­hain, JE IX Nr. 132 S. 31; LG Osna­brück JE IX Nr. 91 S. 15 f; AG Plön JE IX Nr. 43 S. 5; sie­he auch LG Mar­burg a.a.O. S. 46; AG Mon­ta­baur, JE IX Nr. 155 S. 17 []
  6. vgl. etwa Leon­hardt, a.a.O. Erl. 2, 6; Mey­er-Raven­stein, Jagd­recht in Nie­der­sach­sen, § 34 BJagdG Rn. 6; Mitzschke/Schäfer, a.a.O. Rn. 5; Schandau, a.a.O. S. 267; Schuck, a.a.O. Rn. 6; Siefke/Voth/Spindler/Rackwitz, Jagd­recht Meck­len­burg-Vor­pom­mern, 2. Aufl., § 34 BJagdG Rn. 1; LG Frei­burg, VersR 1977, 748, 749; LG Itze­hoe, JE IX Nr. 98 S. 11; AG Mel­dorf, JE IX Nr. 67 S. 2; LG Osna­brück a.a.O.; AG Plön a.a.O.; AG Saar­lou­is JE IX Nr. 59 S. 17; LG Ver­den JE IX Nr. 54 S. 3 []